Lagom

Die Arbeitswelt entwickelt sich mit Office 365 ständig weiter. Immer wieder neue Möglichkeiten und Funktionen eröffnen sich durch die einzelnen Tools der Plattform. Damit entstehen auch immer wieder Varianten, um sie für unsere Kunden neu, effektiv und individuell zu orchestrieren. Es ist für unser Neuarbeiten-Team daher besonders wichtig, sich auf dem Laufenden zu halten. Es erweitert permanent seinen Horizont und denkt bei unseren Projekten stets voraus.

Dem Citizen Development auf der Spur

Wir haben diesen Januar natürlich die Chance ergriffen, den SharePoint Saturday Northern Germany in Bremen zu besuchen. Hier gab es erwartungsgemäß wieder viel neues zu lernen und Gelegenheiten, sich mit Microsoft-MVPs (Most Valuable Professionals) und anderen Cracks aus der Branche auszutauschen.

Die Keynote „Amateur Development is Not for Amateurs“ von Mike Fitzmaurice (Nintex) verdeutlichte mit sonorer Stimme vorgetragen (hören Sie mal in den Podcast rein), was unter dem Begriff des Citizen Development zu verstehen ist. Und: Welche pragmatische, sogenannte „lagom-Grundhaltung“ (Begriffserklärung weiter unten) innerhalb der neuen Arbeitswelt es dafür braucht.

Aus meiner Sicht ein sehr lohnender Ansatz. Denn „Fitz“ bringt damit etwas auf den Punkt, was sich in vielen Digitalisierungsprojekten oft unbewusst wiederfindet – nur dass es eben bisher selten so konkret beschrieben oder detailliert erläutert wurde.

Welche Art von User sind nun also Citizen Developer:

  • solche, die keine hauptberuflichen Entwickler sind,
  • die Probleme engagiert und motiviert in ihrem Arbeitsumfeld lösen wollen,
  • deren Lösungen im fachlichen Sinn nicht perfekt, aber funktional und für die Herausforderungen ausreichend (lagom) sind.

Und wie nutzt man das?

Es ist in der Realität nun einmal oft so, dass für eine interne IT-Abteilung immer die Projekte Priorität haben, die große Auswirkungen auf viele Nutzer besitzen. Nur selten werden dagegen Kapazitäten für kleine Problemlösungen innerhalb spezifischer Prozesse freigegeben, die nur für kleinere Usergruppen relevant sind.

Citizen Development

Abb. 1: Diese Kurve zeigt, wie sich IT-Profis und Laienentwickler bei Problemlösungen kongenial ergänzen können.

Genau hier liegt das Potenzial des wachsenden Citizen Development: nämlich es als Unternehmen – und IT-Abteilung – zu erkennen und zu fördern. Dadurch lassen sich – die nötige Bereitschaft natürlich vorausgesetzt – Kapazitäten gewinnbringend erschließen. Es entstehen dabei viele kleine und funktionale Lösungen. Diese docken wie Legosteine an komplexere Systeme oder Schnittstellen an, können weitergegeben oder zu anderen Lösungen zusammengesetzt werden.

lagom kommt aus dem Schwedischen. Für das Wort gibt es keine direkte Übersetzung. Es bedeutet so viel wie „gerade richtig“, eben nicht zu viel und nicht zu wenig.

Lagom – Eine Analogie

Zur Frage, was man sich denn unter lagom hier nun genau vorzustellen haben, brachte Mike Fitzmaurice in seinem Vortrag eine kleine Analogie ins Spiel. Man stelle sich dazu ein Architekturmodell eines Gebäudes vor. Dieses kann auf zwei Arten hergestellt werden:

  1. Detailgetreu und teuer, von einem Architektenbüro erstellt. Das Ergebnis ist perfekt.
  2. Mit etwas Geschick und einem Lego-Bausatz selbst zusammengebastelt. Das Ergebnis ist alles andere als perfekt, aber es funktioniert – eben lagom.

Es braucht einen Wandel in der Wahrnehmung und Akzeptanz solcher lagom „Citizen Develoment“-Lösungen“. Dadurch könnte die ihrem Ruf nach eher introvertierte IT-Abteilung sich als Coach und Förderer der „Laienentwickler“ positionieren. Sobald dies geschieht, profitieren beide Seiten und am Ende natürlich das gesamte Unternehmen davon.

Damit beim Citizen Development – wie auch bei der digitalen Zusammenarbeit – keine Schatten-IT entsteht, gibt es die entsprechenden Werkzeuge natürlich auch in der „Office 365“-Welt. Gute Beispiele sind hier Flow und Powerapps. Die beiden ermöglichen es auf einfachem Weg, mit etwas technischem Verständnis und ohne große Programmierkünste Lösungen für kommende Herausforderungen zu schaffen. Lösungen, die völlig ausreichend, also lagom sind.

Abb. 2: Einfach wie Lego: Citizen Development findet oft pragmatische Lösungen, die funktionieren.

Über Schnittstellen und Konnektoren können diese „Lego“-Bausteine dann problemlos an externe Dienste oder komplexe interne Systeme angedockt werden. So entstehen funktionierende Prozesse, um Informationen weiterzugeben und vielseitig nutzbar zu machen.

Hören Sie gut zu

Mein Rat: Finden Sie die Citizen Developer im Unternehmen und hören Sie ihnen zu. Fördern und betreuen Sie sie, stellen Sie ihnen die notwendigen Werkzeuge bereit und holen Sie sie so in Ihr Team. Sonst werden sie vielleicht künftig eigene Wege gehen und sich neue Tools und Partner suchen …

Ich hoffe, ich konnte Sie mit meinem kleinen Exkurs in das Reich der Citizen Developer und des lagom ein wenig für dieses Thema sensibilisieren. Wir bei NEUARBEITEN halten immer die Augen offen nach spannenden Entwicklungen in der Arbeitswelt und stellen Ihnen diese in unserem Blog vor. Haben Sie Fragen und Anregungen, dann lassen Sie mir gern einen Kommentar da.