Titelbild zum Thema "Homeoffice: Ja. Nein? Vielleicht?"

In Deutschland existiert das Homeoffice bisher eher in der Theorie als in der Praxis: Immerhin 40 Prozent aller Arbeitnehmer führen eine Beschäftigung aus, der sie auch problemlos von zuhause aus nachgehen könnten. Jedoch nur 12 Prozent davon arbeiten tatsächlich oder zumindest gelegentlich im Homeoffice. Diese Zahl liegt deutlich unter dem Durchschnitt in Westeuropa. Als Ursache werden hier zumeist die Arbeitgeber genannt, die oft Angst vor Kontrollverlust hätten und zu wenig Vertrauen in ihre Mitarbeiter setzten.

In kleineren Betrieben mit bis zu 20 Mitarbeitern wird übrigens deutlich häufiger die Möglichkeit zum Homeoffice angeboten als in mittelständischen oder großen Firmen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass in einem kleinen Unternehmen die Leistungen und Arbeitszeiten der einzelnen Mitarbeiter besser kontrolliert werden können.

Die Abkehr vom Homeoffice in den USA

In Deutschland hat sich das Homeoffice noch nicht einmal richtig durchgesetzt, da wenden sich Unternehmen in den USA bereits wieder davon ab. Aktuelles Beispiel: das IT- und Beratungsunternehmen IBM. Die komplette Marketingabteilung mit über 2.000 Mitarbeitern wurde hier in die Büros zurückbeordert. Zur Begründung verwies man unter anderem auf eine Studie der Harvard University, nach der die direkte Kommunikation unter Kollegen mehr innovative Ideen hervorbringe.

Auch bei Yahoo wurde die Möglichkeit der Heimarbeit vor einigen Jahren von der damaligen CEO Marissa Mayer wieder abgeschafft. Kurz danach stürzte das Unternehmen ab. Reiner Zufall, oder besteht da ein Zusammenhang?

Heimarbeit ist nicht gleich Heimarbeit

An dieser Stelle sollen kurz die verschiedenen Auffassungen von der Arbeit-von-zuhause betrachtet werden. In den USA gibt es eigentlich nur ein „Entweder … oder“. Entweder die Arbeitnehmer sitzen alle gemeinsam in einem Büro oder man einigt sich einheitlich auf das Homeoffice. Fortan wird dann nur noch von zuhause aus gearbeitet. Im Fall der Heimarbeit spart das Unternehmen so die Kosten für einen zusätzlich bereitgehaltenen Arbeitsplatz.

In unseren Augen ist das jedoch der falsche Ansatz. Der Fokus sollte nicht auf der Kostenersparnis des Arbeitgebers liegen, sondern auf dem Wohlbefinden der Mitarbeiter. Sie sind schließlich das wertvollste Gut jedes Unternehmens. Homeoffice sollte in diesem Zusammenhang eher eine Option als eine Pflicht sein. Denn es verschafft einem Unternehmen die nötige zeitgemäße Flexibilität.

Die Möglichkeiten des Homeoffice sind dabei längst nicht nur auf das Arbeiten in den eigenen vier Wänden beschränkt. Es sollte eher als eine Reihe von Alternativen zum Arbeiten im Büro angesehen werden: im Zug, beim Kunden, im Park, im Café oder wo auch immer sich der Arbeitnehmer wohl und produktiv fühlt. Das Stichwort lautet hier „Neuarbeiten“.

Mehr Flexibilität, Zufriedenheit und Produktivität

Homeoffice bietet Mitarbeitern vor allem eines: Flexibilität. Wer zum Beispiel nicht jeden Tag – wie über 50 Prozent aller Deutschen – erst zur Arbeit pendeln muss, der kann früher die ersten Mails lesen und beantworten. Außerdem können die Kinder in Ruhe zur Schule gebracht und wieder abgeholt werden. Je nach Arbeitspensum ist sogar auch mal ein kurzer Powernap nach dem Mittagessen möglich. Alles Dinge, die ohne Homeoffice nicht denkbar sind.

Die gewonnene Flexibilität führt fast unweigerlich zu einer höheren Zufriedenheit bei den Arbeitnehmern und lässt sie gleichzeitig auch produktiver werden. Für Routinearbeiten kann das durch Nicholas Bloom von der Stanford Universität bestätigt werden. Seine Probanden gaben an, durch das Homeoffice im Schnitt 13 Prozent effektiver arbeiten zu können.

Eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter kann auch das Erscheinungsbild eines Unternehmens verbessern. Glückliche Kollegen sind meist deutlich loyaler und tragen das auch nach außen. Dadurch wird das Unternehmen attraktiver für neue Bewerber – ein entscheidender Faktor in Zeiten, da Fachkräfte händeringend gesucht werden. Erkennbar ist also, dass Homeoffice und flexible Arbeitszeiten deutliche größere Auswirkungen auf das Unternehmen haben als zunächst zu vermuten wäre.

Die richtige Einstellung zum Homeoffice

Arbeiten von zu Hause bringt den Mitarbeitern zwar mehr Freiraum, erfordert aber auch mehr Flexibilität vom Arbeitgeber. Außerdem müssen Vorgesetzte den eigenen Mitarbeitern deutlich mehr Vertrauen entgegenbringen und einen Teil ihrer Kontrolle abgeben. Nur so kann die Option Homeoffice überhaupt gelingen. Kritiker mögen darauf beharren, dass es überhaupt nicht funktionieren könne, wenn Mitarbeiter nicht im Büro sitzen würden. Die würden doch dann gar nicht richtig arbeiten. Hier braucht man jedoch nur einmal an Vertriebsmitarbeiter zu denken: Sie sind mehr oder weniger ständig unterwegs, sitzen kaum im Büro und machen trotzdem ihren Job.

Selbstverständlich müssen aber auch für die Heimarbeit gewisse Vereinbarungen getroffen und Regelungen gewahrt werden. Die Einhaltung der Arbeitszeit, die Erreichbarkeit der Mitarbeiter, der Unfall- und Datenschutz sowie Präsenzzeiten im Büro: Klar definierte Regeln zu diesen und anderen Fragen sorgen für einen stabilen Rahmen. So entsteht durch das Homeoffice für beide Seiten – Arbeitgeber und -nehmer – eine Win-win-Situation.

Auch die Technik muss stimmen

Um das Homeoffice ganz praktisch umsetzen zu können, braucht es eine geeignete technische Ausstattung und Infrastruktur. Dazu gehören natürlich ein ordentlicher Schreibtisch, ein Laptop und eine Internetverbindung. Noch viel wichtiger ist allerdings eine Arbeitsplattform, mit der Mitarbeiter von überall und jederzeit auf notwendige Dokumente zugreifen und mit Kollegen kommunizieren können. In unserem Unternehmen setzen wir deshalb auf Office 365, mit Tools wie SharePoint, OneDrive und Skype for Business.

Und so funktioniert es

Beim Thema Homeoffice gibt es kein Schwarz oder Weiß, kein Ganz-oder-gar-nicht. Wirklich effektiv ist es nur als Option für die Arbeitnehmer, die bei Bedarf in Anspruch genommen werden kann. Ein solches hybrides System aus festem Büroplatz und der Möglichkeit zur Heimarbeit kann für eine höhere Zufriedenheit und Produktivität sorgen. Gleichzeitig bleibt dadurch aber auch die Identität des Unternehmens bestehen und sein innerer Zusammenhalt gewahrt. Wir haben mit dieser Methode langfristig beste Erfahrungen gemacht.

Homeoffice: Ja! Nein? Vielleicht!? Wie sieht es bei Ihnen im Unternehmen aus?